Zahnschäden durch Zungenpiercing vermeiden

Piercings sind modern, bergen jedoch auch ein gewisses Verletzungsrisiko. Besonders bei Zungenpiercings drohen Zahnverschleiß und Verletzungen des Zahnfleischs. Mit der richtigen Vorbeugung können irreversible Schäden jedoch vermieden werden!

Mögliche Zahnschäden

Ein Zungenpiercing kann erhebliche Schäden an den Zähnen hinterlassen. Ein erfahrener Piercer und ein gut informierter Besitzer eines Zungenpiercings aber können die Risiken deutlich reduzieren.

Die häufigsten Schäden durch unsachgemäße Platzierung, Nutzung oder Pflege eines Zungenpiercings sind:

  • das Verschieben der Zähne
  • das Herausbrechen von Zahnecken
  • die Schädigung des Zahnschmelzes
  • überempfindliche Zähne
  • freiliegende Zahnhälse und Verletzung der Zahnwurzel
©tongue strongest muscle (TRF Mr Hyde/Flickr CC BY 2.0)

Minimierung des Risikos durch den Piercer

Beim Stechen eines Zungenpiercings muss auf jeden Fall ein erfahrener, umsichtiger Piercer Hand anlegen, denn im Mundraum besteht hohe Infektionsgefahr.

Durch falsches Stechen können Nervenbahnen irreparabel beschädigt werden. Langfristig besteht die Gefahr, dass durch unsachgemäß gestochene Piercings Zähne und Zahnwurzeln irreparabel geschädigt werden.

Der Piercer kann dazu beitragen, dass dies nicht passiert: Die richtige Platzierung des Schmucks und die individuell angepasste Länge des Stabes machen Zahnschäden unwahrscheinlicher. Denn ein zu langer Stab, der ständig von Innen gegen die Zähne schlägt, hinterlässt auf Dauer seine Spuren.

Minimierung des Risikos durch den Träger des Piercings

Um das Abnutzen des Zahnschmelzes oder gar des Zahns zu vermeiden, sollte der Besitzer des Zungenpiercings auf das Spielen mit dem Schmuckstück verzichten.

Besonders das Klappern an den Zähnen und das sogenannte „Nuckeln“, wenn die Kugel mit den Schneidezähnen festgehalten wird, sollte dringend unterlassen werden. Dies kann die Zähne verschieben oder den Zahnschmelz an der Auflagefläche beschädigen - das hinterlässt nicht nur unschöne Lücken, sondern kann auch sehr schmerzhaft sein.

Um sicher zu gehen, sollte der Besitzer oder die Besitzerin eines Zungenpiercings regelmäßig einen Zahnarzt aufsuchen. Prophylaxe und regelmäßige Kontrolle sind wichtig, um beim ersten Anzeichen von Brüchen, Rissen oder Zahnschmelzabnutzungen sofort reagieren zu können.

Wenn es doch passiert ist, sollte das Piercing sofort entfernt werden um langfristige und schlimmere Schäden zu vermeiden.

Minimierung des Risikos durch den richtigen Schmuck

Neben dem klassischen Zungenpiercing, das vertikal in der Zungenmitte sitzt, werden auch horizontal gestochene Piercings seitlich durch die Zunge oder vertikal gestochene Zungenpiercings in der Zungenspitze angeboten. Von dieser Art von Zungenpiercing ist in jedem Fall abzuraten!

Diese speziellen Piercings liegen permanent an den Zähnen an und schädigen aufgrund der mechanischen Belastung allmählich Zahnschmelz und Zähne.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Material des Schmucks. Als Erstpiercing wird in der Regel ein Titanschmuckstück verwendet.

Der Vorteil: Titan löst keine Allergien aus.

Der Nachteil: Dieses Material ist härter als unsere eigenen Zähne, so dass jedes Anschlagen an die Zähne Schäden verursachen könnte.

Und die Erfahrung zeigt: Trotz bester Information ist die Versuchung, mit einem Zungenpiercing zu spielen groß. Darum empfehlen erfahrene Piercer prinzipiell Schmuck aus PTFE-Kunststoff. Dieses Material ist weicher als der Zahnschmelz und kann so kaum Schäden verursachen. Dabei sollte man darauf achten, dass sowohl Piercingstab, als auch Kugeln bzw. Aufsätze aus PTFE sein sollten.

 

Der Gastautor

Steffen Paetz ist seit 2010 als professioneller Piercer im Berliner Studio von www.piercingline.com tätig. Seitdem hat er ca. 9000 Piercings gestochen und sich eine feste Stammkundschaft erarbeitet. Er ist zudem örtlicher Ansprechpartner in gesundheitlichen Fragen zu den Themen Entzündungen durch Piercings und Wundheilung.

Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit www.piercingline.com