Zahnseide benutzen, aber richtig!

Was Zahnseide wirklich bringt, wissen Forscher nicht genau. Doch auch wenn wissenschaftliche Belege für den Nutzen fehlen: Die Reinigung der Zahnzwischenräume ist unverzichtbar und gelingt am besten, wenn Zahnseide in Kombination mit Interdentalbürsten, Zahnsticks oder Zahnbändern zur Anwendung kommt, meint Zahnarzt Dr. Markus Regensburger.

Es gibt unzählige Tipps zur Zahnpflege und noch viel mehr Produkte. Dass es ohne Zahnbürste nicht geht, ist klar. Weil die aber nur rund 70 Prozent der Zahnoberfläche reinigen kann, leuchtet auch ein: Für die Zahnzwischenräume brauchen wir etwas anderes. Denn auch der Bereich zwischen den Zähnen ist anfällig für Karies!

Zahnseide galt lange Zeit als das Produkt schlechthin, um Beläge zwischen den Zähnen zu beseitigen und damit Löchern und Zahnfleischentzündungen vorzubeugen. Wie wirksam Zahnseide tatsächlich ist, haben Studien bislang nicht eindeutig bestätigt. Das Ministerium für Gesundheitspflege der USA (NIH) hat deshalb schon vor mehr als einem Jahr seine Empfehlung für Zahnseide aufgehoben. Infolge dessen ist eine Debatte entbrannt, die nach Meinung des Münchner Zahnarztes Dr. Markus Regensburger mehr schadet als nützt. „Viele Patienten sind verunsichert“, sagt Dr. Regensburger.

Zahnseide oder Interdentalbürsten?

„Es kursieren so viele Vorurteile und Irrtümer, was den Gebrauch von Zahnseide anbelangt. Aus Angst, etwas falsch zu machen oder mit etwas scheinbar völlig Nutzlosem die Zeit zu verschwenden, verzichten manche gar auf die Reinigung der Interdentalräume.“ In seiner Bogenhausener Praxis für Zahngesundheit betont der Zahnmediziner deshalb immer wieder: „Es reicht nicht, nur mit der Zahnbürste zu putzen!“ Patienten, die an der Wirksamkeit von Zahnseide zweifeln, erklärt er: „Forscher diskutieren auch immer wieder die Frage, inwiefern Zähneputzen überhaupt hilft, denn sogar hierfür gibt es keine Studie, die den Nutzen wissenschaftlich eindeutig nachweist. Verzichten wir deshalb aufs Zähneputzen? Zum Glück nicht!“

Was die tägliche Pflege der Zahnzwischenräume betrifft, empfiehlt Dr. Markus Regensburger eine Kombination aus Zahnseide und Interdentalbürsten oder einem alternativen Produkt wie z.B. Zahnsticks oder Zahnbänder:

Zahnseide eignet sich zum Reinigen des Kontaktpunktes, also der Stelle, an der sich zwei Zähne direkt berühren. Wenn sie tiefer Richtung Zahnfleisch zum Einsatz kommt, kann sie tatsächlich schädlich sein“, erklärt der Münchner Zahnmediziner. Der Bereich unterhalb des Kontaktpunktes lässt sich am besten damit pflegen:

  • Interdentalbürsten reinigen größere Zahnzwischenräume. Sie sollten möglichst für die Backenzähne verwendet werden, weil die Flächen der Backenzähne im Zwischenraum nach innen gebogen sind. „Wichtig bei einer Interdentalbürste ist, dass deren Größe exakt auf den Zahnzwischenraum abgestimmt ist. Nur wenn die Bürstengröße passt, kann Plaque zwischen den Zähnen optimal entfernt werden“, erklärt Dr. Regensburger.

  • Zahn- bzw. Brush-Sticks sind speziell geformte Zahnstocher aus Kunststoff. Die weichen Gummiborsten an der abgerundeten Spitze entfernen optimal Beläge zwischen den Zähnen, ohne dabei das Zahnfleisch zu verletzen.

  • Zahnreinigungsbänder – kurz: Zahnband – eignen sich besonders bei sehr eng zusammenstehenden Zähnen. Sie sind dünner als Zahnseide und lassen sich dadurch leichter in den Zwischenraum einführen. Mit dem im Vergleich zur Zahnseide breiten Zahnband ist die Reinigung effektiv und fürs Zahnfleisch besonders schonend.

Wem die Reinigung mit Zahnseide und noch einem weiteren Produkt zu umständlich ist oder wer einfach nicht so viele verschiedene Mittel zur Zahnpflege zu Hause rumstehen haben möchte, dem empfiehlt Dr. Regensburger Zahnfloss.„Zahn- oder Superfloss ist ein flauschiger Faden, mit dem sich Verletzungen am Zahnfleisch sehr gut vermeiden lassen“, erklärt Dr. Regensburger. Durch den besonderen Aufbau – verstärktes Ende zum Einfädeln, flauschiges Mittelteil sowie normale Zahnseide – reinigt Zahnfloss sowohl den Kontaktpunkt zweier Zähne als auch den Bereich am Zahnfleischsaum, also die Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch.

Zahnfleischbluten nach Zahnzwischenraumpflege

Wenn das Zahnfleisch zu bluten beginnt, während Sie die Zwischenräume reinigen, bedeutet das nicht unbedingt, dass Sie das Zahnfleisch verletzt oder etwas falsch gemacht haben. „Blutendes Zahnfleisch ist ein Hinweis darauf, dass eine Entzündung vorliegt“, erklärt Dr. Markus Regensburger. „Am besten kommen Sie in unsere Praxis, damit wir abklären können, ob möglicherweise eine Parodontitis vorliegt.“